Schimmel und Mehltau in der Blüte erkennen und handeln
In der Blüte sind Pilze das gefährlichste Problem überhaupt, weil sie innerhalb weniger Tage die gesamte Ernte vernichten können. Es gibt zwei völlig verschiedene Fälle, die oft verwechselt werden: Echter Mehltau als weißer Belag auf den Blättern, und Blütenfäule, die im Inneren der Blüte beginnt und von außen lange unsichtbar bleibt.
Der Unterschied ist entscheidend. Mehltau ist ärgerlich, aber beherrschbar. Blütenfäule ist ein Notfall, bei dem jede Stunde zählt. Geh deshalb zuerst den Schnell-Check durch.
Schnell-Check: Was genau siehst du?
- Weißer, mehliger Belag auf der Blattoberseite, lässt sich abwischen: Echter Mehltau
- Blüte wird von innen braun oder grau, einzelne Blättchen im Bud sterben ab: Blütenfäule, sofort handeln
- Graue, flauschige Schicht auf oder in der Blüte, Bud zerfällt bei Berührung: Blütenfäule fortgeschritten
- Muffiger, feuchter Geruch im Zelt, Blüten sehen von außen gesund aus: Verdacht auf beginnende Fäule
- Weißer Belag nur auf der Erde, Pflanze selbst unauffällig: Harmloser Substratpilz
- Weiße Punkte, die sich nicht abwischen lassen, Blattunterseite auffällig: Kein Pilz, eher Schädlinge
Erkennen, handeln, vorbeugen
Echter Mehltau auf den Blättern
Echter Mehltau zeigt sich als weißer, mehliger oder puderartiger Belag, der oben auf dem Blatt liegt und sich mit dem Finger abwischen lässt. Er beginnt meist mit einzelnen kleinen Flecken und breitet sich dann über das ganze Blatt aus. Anders als andere Pilze braucht er keine Nässe auf dem Blatt, ihm genügt hohe Luftfeuchtigkeit bei mäßigen Temperaturen und stehende Luft.
So gehst du vor: Stark befallene Blätter abschneiden und außerhalb des Growraums entsorgen. Luftfeuchtigkeit senken und für spürbare Luftbewegung sorgen. In der Wachstumsphase kannst du behandeln, zum Beispiel mit Neemöl oder einer Lösung aus Wasser und Backpulver bei ausgeschaltetem Licht. In der Blüte solltest du nicht mehr auf die Blüten sprühen, weil Feuchtigkeit dort Fäulnis auslöst.
Blütenfäule, der eigentliche Notfall
Blütenfäule, auch Botrytis oder Budrot genannt, beginnt im Inneren dichter Blüten, wo Feuchtigkeit nicht abtrocknet. Von außen sieht die Blüte lange gesund aus. Erste Anzeichen sind einzelne Blättchen im Bud, die grundlos vertrocknen und sich ohne Widerstand herausziehen lassen. Öffnest du die Blüte an dieser Stelle, findest du graues, watteartiges Gewebe und braunes, zerfallendes Material. Eine befallene Blüte ist nicht mehr zu retten, und die Sporen verteilen sich beim geringsten Luftzug.
So gehst du sofort vor: Die betroffene Blüte großzügig abschneiden, mindestens einige Zentimeter ins gesunde Gewebe hinein, und sofort in einer verschlossenen Tüte aus dem Raum bringen. Dabei möglichst nicht schütteln. Danach Hände und Schere reinigen, alle übrigen Blüten kontrollieren, Luftfeuchtigkeit deutlich senken und die Luftbewegung erhöhen. Bei starkem Befall kurz vor der Ernte ist eine vorgezogene Ernte oft besser als der Versuch, noch Tage zu gewinnen.
Früherkennung: der Geruch verrät es zuerst
Blütenfäule riecht muffig und feucht, ähnlich wie ein alter Keller, oft bevor man sie sieht. Wenn dir dieser Geruch beim Öffnen des Zelts auffällt, obwohl die Blüten gut aussehen, arbeitet der Pilz vermutlich schon im Inneren. Besonders gefährdet sind die größten und dichtesten Blüten, allen voran die Haupttriebe, weil dort am wenigsten Luft hinkommt.
So kontrollierst du richtig: In den letzten Wochen täglich prüfen, mit Schwerpunkt auf den dicksten Blüten. Achte auf einzelne vertrocknete Blättchen mitten im Bud, das ist das zuverlässigste Frühzeichen. Zieh vorsichtig daran: Löst sich das Blättchen widerstandslos, öffne die Blüte an dieser Stelle und schau nach.
Das Klima ist fast immer die Ursache
Beide Pilze brauchen dasselbe: feuchte, stehende Luft. In der Blüte wird es kritisch, sobald die Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 55 bis 60 Prozent liegt. Besonders gefährlich sind die Nachtstunden, denn wenn die Temperatur sinkt, steigt die relative Luftfeuchtigkeit automatisch an, und genau dann bilden sich in dichten Blüten feuchte Nester.
So stellst du es ein: In der Blüte 40 bis 50 Prozent Luftfeuchtigkeit anpeilen, in der Spätblüte eher darunter. Ein Thermo-Hygrometer auf Blütenhöhe zeigt dir die echten Werte. Sorge für Abluft und zusätzlich für Luftbewegung zwischen den Pflanzen, sodass sich die Blüten leicht bewegen. Vermeide starke Temperaturabfälle in der Dunkelphase.
Dichte Blüten und dichter Bestand
Je dichter eine Blüte, desto schlechter trocknet ihr Inneres ab. Dazu kommt ein dichter Blattbestand, der Luft blockiert. Viele Grower haben deshalb ausgerechnet an ihren schönsten und größten Blüten zuerst Fäulnis. Auch Regen und hohe Luftfeuchtigkeit draußen sind bei Outdoor-Grows in der Spätblüte ein typischer Auslöser.
So beugst du vor: Vor der Blüte gezielt entlauben, damit Luft durch den Bestand kommt, dabei aber nicht übertreiben. Pflanzen nicht zu eng stellen. Bei Outdoor-Pflanzen vor angekündigten Regentagen abdecken und die Blüten nach Regen vorsichtig ausschütteln.
Trocknung und Curing als zweite kritische Phase
Viele Ernten gehen erst nach dem Schnitt verloren. Beim Trocknen bei zu hoher Luftfeuchtigkeit oder in zu dichten Bündeln entsteht Schimmel genauso schnell wie an der lebenden Pflanze. Auch im Curing-Glas kann sich Schimmel bilden, wenn die Blüten noch zu feucht eingefüllt wurden.
So machst du es sicher: Bei etwa 18 bis 20 Grad und 55 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit trocknen, mit Luftbewegung im Raum, aber ohne direkten Luftstrom auf die Blüten. Locker aufhängen oder auf ein Trockennetz legen. Ins Glas erst, wenn dünne Stiele beim Biegen knacken statt sich zu biegen, und in den ersten zwei Wochen täglich lüften.
Was harmlos ist und leicht verwechselt wird
Ein weißer, flaumiger Belag auf der Erdoberfläche ist meist ein harmloser Substratpilz, der auf zu feuchtes Gießen hindeutet, aber die Pflanze nicht angreift. Weiße Punkte, die sich nicht abwischen lassen, sind oft Saugschäden von Spinnmilben oder eingetrocknete Wasser- und Kalkflecken vom Sprühen. Auch Trichome an den Blättern werden gelegentlich für Mehltau gehalten, sie glitzern aber und liegen nicht mehlig auf.
So unterscheidest du: Der Wischtest hilft: Mehltau lässt sich abwischen und kommt wieder, Schädlingsschäden und Kalkflecken nicht. Bei weißem Belag auf der Erde reicht es, seltener und durchdringender zu gießen und die Oberfläche abtrocknen zu lassen.
Der Notfallplan in 6 Schritten
- Befall zuordnen: weißer Belag auf Blättern ist Mehltau, braunes oder graues Gewebe im Bud ist Blütenfäule
- Bei Blütenfäule sofort großzügig abschneiden und in verschlossener Tüte aus dem Raum bringen, nicht schütteln
- Schere und Hände reinigen und danach jede weitere Blüte einzeln kontrollieren
- Luftfeuchtigkeit auf 40 bis 50 Prozent senken und Luftbewegung zwischen den Pflanzen erhöhen
- Dichten Bestand ausdünnen, damit Luft an die Blüten kommt
- Täglich kontrollieren und bei starkem Befall kurz vor der Ernte lieber früher ernten als abwarten
Vorbeugung
Halte die Luftfeuchtigkeit in der Blüte zwischen 40 und 50 Prozent und sorge für Luftbewegung, sodass sich die Blüten leicht bewegen. Achte besonders auf die Dunkelphase, denn sinkende Temperatur treibt die relative Luftfeuchtigkeit nach oben. Entlaube vor der Blüte gezielt, stell die Pflanzen nicht zu eng, und kontrolliere in den letzten drei Wochen täglich die dicksten Blüten. Ein Thermo-Hygrometer auf Blütenhöhe ist hier die wichtigste Investition.
Häufige Fragen
Kann ich verschimmelte Blüten noch rauchen?
Nein. Von Blütenfäule befallenes Material gehört entsorgt, auch die direkt angrenzenden Bereiche. Schimmelsporen werden beim Verbrennen oder Verdampfen eingeatmet und können gerade bei Allergikern und Menschen mit geschwächtem Immunsystem ernsthafte Atemwegsprobleme verursachen. Weder Trocknen noch Curing noch Erhitzen macht befallenes Material wieder sicher.
Wie erkenne ich Blütenfäule früh genug?
Das zuverlässigste Frühzeichen sind einzelne Blättchen mitten in der Blüte, die grundlos vertrocknen und sich widerstandslos herausziehen lassen. Dazu kommt ein muffiger Kellergeruch im Zelt. Kontrolliere in den letzten Wochen täglich die größten und dichtesten Blüten, dort beginnt es fast immer.
Kann ich Mehltau in der Blüte noch behandeln?
Sprühen solltest du in der Blüte nicht mehr, weil Feuchtigkeit auf den Blüten Fäulnis auslöst und Rückstände Geschmack und Qualität beeinträchtigen. Möglich bleiben das Entfernen befallener Blätter, das Senken der Luftfeuchtigkeit und mehr Luftbewegung. In der Wachstumsphase hast du dagegen deutlich mehr Spielraum.
Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Blüte richtig?
In der frühen Blüte etwa 50 Prozent, ab der Mitte 40 bis 45 Prozent, in der Spätblüte eher darunter. Wichtig ist auch die Dunkelphase: Fällt die Temperatur, steigt die relative Luftfeuchtigkeit, deshalb solltest du dort die Werte im Blick behalten statt nur tagsüber zu messen.
Breitet sich Schimmel nach der Ernte weiter aus?
Ja. Beim Trocknen in zu feuchter Luft oder in zu dichten Bündeln entsteht sehr schnell neuer Schimmel, ebenso im Curing-Glas, wenn die Blüten zu feucht eingefüllt wurden. Trockne bei 18 bis 20 Grad und 55 bis 60 Prozent, und fülle erst ins Glas, wenn dünne Stiele beim Biegen knacken.
Ist weißer Belag immer Mehltau?
Nein. Weißer Flaum auf der Erdoberfläche ist meist ein harmloser Substratpilz und ein Hinweis auf zu feuchtes Gießen. Auch Kalkflecken vom Sprühen und die glitzernden Trichome werden verwechselt. Der Wischtest hilft: Mehltau lässt sich abwischen, kommt aber zurück.
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